Jack Hughes OT goal

Die Olympischen Winterspiele Milano Cortina 2026 ist mit einem Knaller zu Ende gegangen: Die letzte Entscheidung fiel im Eishockey-Finale der Männer zwischen Kanada und den USA am Sonntagnachmittag in der Santa Giulia Ice Hockey Arena in Mailand. Dabei sicherten sich die Vereinigten Staaten mit einem 2:1 n.V. die Goldmedaille.

Aufstellung: Crosby fehlt im Finale

Kanadas Trainer Jon Cooper vertraute auf dasselbe Personal, das sich im Halbfinale mit 3:2 gegen Finnland durchgesetzt hatte, stellte aber seine erste, dritte und vierte Sturmreihe neu zusammen. Kapitän Sidney Crosby wurde nicht rechtzeitig fit und fehlte in der Aufstellung. Im Tor startete Jordan Binnington (26 Saves, 92,9 Prozent Fangquote).

„Wenn ich hätte spielen können, dann hätte ich gespielt“, ließ Crosby verlauten.

US-Coach Mike Sullivan nahm nach dem 6:2-Sieg im Halbfinale gegen die Slowakei keine Veränderungen vor. Demnach stand Connor Hellebuyck (41 Saves, 97,6 Prozent Fangquote) zwischen den Pfosten.

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1. Drittel: Boldy trifft mit dem ersten Torschuss

Das mit Hochspannung erwartete Finale begann erstaunlich ruhig. Kanada verteidigte erste US-Angriffe souverän und startete mit fortschreitender Spieldauer selbst immer mehr Offensivaktionen. Nach etwa fünf Minuten war die erste Abtastphase vorbei, was sich in ersten knackigen Checks ausdrückte, die insbesondere die Ahornblätter im Forechecking fuhren.

Bei genau 6:00 gespielten Minuten gingen die Vereinigten Staaten mit dem ersten Torschuss (1:4 zu diesem Zeitpunkt) in Führung: Matt Boldy chippte sich die Scheibe in den eigenen Lauf, setzte sich im Laufduell gegen Devon Toews durch, tauchte somit frei vor Binnington auf und streichelte den Puck mit der Rückhand am Torhüter vorbei ins linke Eck zum 1:0 (7.).

Die Kanadier suchten nach einer Antwort und blieben das spielbestimmende Team. Insbesondere die spielstarke Reihe um Macklin Celebrini, Connor McDavid und Nathan MacKinnon war besonders auffällig. Die Amerikaner aber verteidigten gut und fuhren punktuelle Entlastungsangriffe.

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2. Drittel: Makar belohnt Geduldsspiel

Im zweiten Drittel nahmen die Druckphasen der Kanadier immer mehr zu, Hellebuyck aber war auf dem Posten und entschärfte alle Schüsse mit ansteckender Ruhe. Die US-Boys hatten insgesamt zwar weniger vom Spiel, durch vereinzelte Konterangriffe aber die besseren Chancen: Sowohl Brock Nelson (26.) als zweimal auch Tage Thompson (beide 28.) scheiterten frei vor Binnington.

Die beste Möglichkeit für Kanada bis hierhin hatte McDavid. Dank seines explosiven Antritts katapultierte sich der Center der Edmonton Oilers nach vorne, brachte den Puck bei seinem Alleingang aber nicht an Hellebuyck vorbei (30.).

Nun schien das Spiel zu kippen, denn gleich zwei Amerikaner mussten kurz nacheinander auf die Strafbank (Jake Guentzel, Halten; Charlie McAvoy, Haken). Für die Ahornblätter standen somit 1:33 Minuten 5-gegen-3-Überzahl auf dem Videowürfel. Cooper schickte Cale Makar, MacKinnon, Sam Reinhart, McDavid und Celebrini aufs Eis, die den Puck gut laufen ließen und durch Celebrini eine große Möglichkeit verbuchten (31.). Die Vereinigten Staaten aber überstanden die doppelte Unterzahl unbeschadet.

Kurz vor der zweiten Pause kam auch Kanada auf die Anzeigetafel. Makar verschaffte sich ein wenig Raum im rechten Faceoff-Kreis und jagte den Puck präzise in den linken Winkel zum 1:1 (39.).

Plötzlich war wieder mehr Feuer im Spiel. In der Schlussminute schoss MacKinnon auf der einen Seite haarscharf vorbei, auf der anderen Seite fälschte Guentzel einen Distanzschuss an die Latte ab (40.). Mit einem kleinen Handgemenge nach der Sirene ging es zum Abkühlen in die Kabinen.

Connor Hellebuyck #37 of Team United States celebrates winning the gold medals after the team's 2-1 overtime victory in the Men's Gold Medal match between Canada and the United States on day 16 of the Milano Cortina 2026 Winter Olympic games at Milano Santagiulia Ice Hockey Arena on February 22, 2026 in Milan, Italy. (Photo by Jamie Squire/Getty Images)

3. Drittel: Immer wieder Hellebuyck

Gleich nach Wiederbeginn hatte Toews den Torschrei schon auf den Lippen, als der Puck auf der blauen Farbe lag und er aus ein paar Zentimetern nur noch ins leere Tor einschieben musste. Aus dem Nichts aber kam der Schläger von Hellebuyck reingegrätscht, wodurch ein sichergeglaubter Treffer spektakulär verhindert wurde (42.). Der US-Goalie stand wenig später erneut im Mittelpunkt, als er einen Alleingang von Celebrini stark vereitelte (45.).

„Er hat gut gespielt, da gibt es gar keinen Zweifel“, lobte Kanadas Power Forward Mark Stone den gegnerischen Torhüter. „Wir hatten unsere Chancen und müssen den Hut vor ihm ziehen.“

Ähnliches: Kanada trauert verpassten Chancen hinterher

In dieser Phase spielte nur noch Kanada, das sich an Hellebuyck die Zähne ausbiss. 36:17 Torschüsse waren für die Ahornblätter hinterlegt, als MacKinnon in linker Position ein gähnend leeres Tor vor sich hatte - aber den linken Außenpfosten traf (51.).

„Wir haben Großteile des Spiels bestimmt. Sie hatten einen ziemlich guten Start, danach haben wir immer weiter gedrückt und waren überall an ihnen dran. Bis in die Overtime hatten sie nicht viele Möglichkeiten“, haderte Kanadas Angreifer Nick Suzuki.

Aus dem Nichts drohte sich die Statik des Spiels zu verändern, als Sam Bennett wegen eines hohen Stocks gegen Jack Hughes für 2+2 Minuten auf die Strafbank geschickt wurde. Die USA hatte also viel Zeit im Powerplay, brachte dabei aber nichts zur Stande.

Stattdessen kam Kanada noch einmal in Überzahl und erspielte sich gleich drei Hochkaräter für Celebrini (zweimal 58., 59.).

„‚Helly‘ hat einen Wahnsinnsjob gemacht. Er war der Unterschiedsspieler“, lobte US-Center Dylan Larkin seinen Torwart.

Verlängerung: Jack Hughes wird zum Gold-Helden

Schon bis hierhin war das große Finale ein Nagelbeißer. Die Spannung und Dramatik wurde mit dem Beginn der Overtime im 3-gegen-3-Format noch einmal auf ein höheres Niveau gehoben.

„Wenn du so viele Chancen hast und sie gehen nicht rein, dann ist das frustrierend. Ich bin mir sicher, dass Kanada frustriert war. Das hat unserer Bank neues Leben eingehaucht“, sagte Thompson.“

Bei einem Konter erreichte ein Querpass der Vereinigten Staaten Quinn Hughes, dessen Direktabnahme vom Fanghandschuh von Binnington entschärft wurde (61.).

Der nächste Angriff der Amerikaner passte dann: Zach Werenski behauptete den Puck nach einem energischen Vorstoß stark und legte dann quer in den Lauf von Jack Hughes, der aus linker Position gegen die Laufrichtung von Binnington das Goldene Tor erzielte (62.).

„Als ich den Puck bekommen habe, habe ich Jack auf der linken Seite gesehen und probiert, ihm die Scheibe so schnell ich nur konnte zuzuspielen“, beschreibt Werenski den goldenen Moment. „Danach hatte ich einen Blackout und wusste nicht mehr, was ich zu tun habe.“

Während sich die US-Spieler begeisterungsschwanger in die Arme fielen, kehrte bei den Kanadiern eine große Leere ein.

„Wir hatten gute Chancen, aber sie haben das letzte Tor geschossen“, brachte es Suzuki auf den Punkt.

Damit holen sich die USA zum dritten Mal sowie erstmals seit dem „Miracle On Ice“ im Jahr 1980 in Lake Placid eine Goldmedaille im Herren-Eishockey. Kanada, das Mutterland des Eishockeys, muss sich mit Silber begnügen.

„Kanada hat eine unglaubliche Mannschaft und sie hatten viele großartige Chancen. Wir sind im Spiel geblieben, was uns viel Selbstvertrauen gegeben hat und konnten es zu Ende bringen“, freute sich Thompson.

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